Düsseldorf, 30. Juni 2011 – Die zur Sparkassen-Finanzgruppe gehörenden öffentlichen Versicherer verzeichneten eine positive Geschäftsentwicklung im Jahr 2010. Die Bruttobeitragseinnahmen über alle Sparten stiegen um 11 % auf rund 19,7 (Vorjahr 17,7) Mrd. € an. Das Ergebnis vor Steuern lag bei 802 (Vj. 812) Mio. €.
„Die Öffentlichen konnten sich im Jahr 2010 positiv vom Markt absetzen“, sagte Friedrich Schubring-Giese, Vorsitzender des Verbands öffentlicher Versicherer, auf der Jahrespressekonferenz der Gruppe in Düsseldorf. Ihren Marktanteil als Gruppe haben sie deutlich um 0,7 Prozentpunkte auf 11,2 % ausgebaut und belegen damit Rang Zwei im deutschen Erstversicherungsmarkt.
In der Lebensversicherung konnten die öffentlichen Versicherer mit einem Beitragswachstum im Neugeschäft von 53,6 % das deutliche Plus im Markt von 25,5 % noch übertreffen. Insgesamt lag das Prämienvolumen (ohne RfB) bei 10,32 (Vj. 8,57) Mrd. €. Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen konnten die öffentlichen Lebensversicherer auf 4,3 (Vj. 4,0) % weiter verbessern. Die Anlageergebnisse stiegen um 14,7 % auf fast 3,66 (Vj. 3,19) Mrd. €. Die durchschnittliche Gesamtreservequote nahm 2010 um 1,2 Prozentpunkte auf 3,5 % zu.
Die Krankenversicherer der Öffentlichen haben ihre Beiträge um 6,5 % auf 2,10 (Vj. 1,97) Mrd. € gesteigert.
In der Schaden- und Unfallversicherung verzeichneten die öffentlichen Versicherer Beitragseinnahmen von mehr als 7,23 (Vj. 7,16) Mrd. € und damit ein Plus von 1,1 %, während der Gesamtmarkt um 0,7 % wuchs.
Einmalbeitragsgeschäft dominiert Lebensversicherung
Die Lebensversicherung macht mittlerweile 52,5 % des Gesamtgeschäfts der öffentlichen Versicherer aus. Mit einem weiter gestiegenen Marktanteil von 11,4 % gehört die Gruppe zu den Top 3 der deutschen Lebensversicherer. Im Geschäftsjahr 2010 konnten die Öffentlichen ein deutliches Wachstum im Neugeschäft verzeichnen. Die Beiträge erhöhten sich um 53,6 % auf 5,07 Mrd. € (Branche +25,5 %). Die Anzahl der neu abgeschlossenen Verträge stieg um 1,9 Prozent (Branche -0,2%) auf 877.000. Einen erheblichen Anteil am Wachstum hatte das Neugeschäft mit Lebensversicherungen gegen Einmalbeitrag – überwiegend private Rentenversicherungen – mit einem Beitragsplus von 62,3 % (Branche +33,9 %) auf 4,61 Mrd. €. „Wir bleiben bei unserer positiven Bewertung des Einmalbeitragsgeschäfts: Wir wollen unseren Kunden auch in Zukunft die Möglichkeit geben, zum Beispiel abgelaufene Lebensversicherungen oder Erbschaften in eine langfristige Altersversorgung zu investieren“, erläuterte Schubring-Giese die Position der Gruppe.
Auch im Bestandsgeschäft wuchsen die öffentlichen Lebensversicherer deutlich stärker als der Markt. Die Beiträge (ohne RfB) erhöhten sich um 20,4 % (Branche +6,0 %) auf 10,32 Mrd. €. Davon entfallen 46,4 % auf Verträge gegen Einmalbeiträge. Auch die Anzahl der Verträge stieg um 1,6 % (Branche -1,0 %) auf 8,84 Mio. an. Merklich unter dem Markt lagen die Kostenquoten der Öffentlichen: Die Verwaltungskostenquote sank 2010 auf 1,8 % (Branche 2,4 %) und der Abschlusskostensatz auf 4,9 % (Branche 5,1 %). Auch die Stornoquote fiel mit 4,7 % deutlich geringer aus als der Branchenwert von 5,4 %.
Trendwende in der Kraftfahrtversicherung
Die öffentlichen Schaden- und Unfallversicherer hielten ihren Marktanteil mit 14,3 % konstant. Sie verzeichneten mit 7,23 Mrd. € Bruttobeitragseinnahmen ein Plus von 1,1 %. Zwar blieben auch 2010 bundesweite Naturgefahren-Großschadenereignisse aus, jedoch war eine Vielzahl lokaler Schäden zu verzeichnen. So verursachte beispielsweise Orkantief Xynthia Ende Februar 2010 einen Schadenaufwand von brutto etwa 150 Millionen Euro für die Gruppe. Hinzu kamen Schäden durch Hochwasser und ausgeprägte Frostperioden. Der Schadenaufwand stieg um 4,8 % auf knapp 5,8 Mrd. €. Die Combined Ratio in Schaden-Unfall lag mit 97,1 % unter dem Branchenwert von 99,1 %. Das versicherungstechnische Ergebnis fiel mit einem Plus von 204 (Vj. 233) Mio. € nur geringfügig niedriger als im Vorjahr aus.
In der Sachversicherung haben die Öffentlichen ihre Marktführerschaft einmal mehr behauptet. Mit einem Plus von 0,8 % steigerte die Gruppe ihre Beitragseinnahmen auf 3,61 Mrd. € und hielt ihren Marktanteil mit 23,8 % auf konstant hohem Niveau. In ihrer prämienstärksten Sparte in diesem Segment, der Verbundenen Wohngebäudeversicherung, legten die Öffentlichen um 0,5 % zu. Mit Bruttobeitragseinnahmen von mehr als 1,72 Mrd. € und einem Marktanteil von 36,3 % bleibt die Gruppe Branchenprimus.
In der Kraftfahrtversicherung stabilisierten sich die Bruttobeitragseinnahmen der Gruppe mit einem leichten Plus von 0,1 % auf 2,16 Milliarden Euro. Die Branche erzielte einen Zuwachs von 0,6 %. „Damit zeigen sich in der Kfz-Versicherung nach Jahren eines hart umkämpften Markts erste Anzeichen dafür, dass das Ende der Talsohle erreicht sein könnte“, prognostiziert Schubring-Giese. Ihren Marktanteil hielten die öffentlichen Versicherer mit 10,7 % stabil. Mit 107,6 % lag die Combined Ratio auf Marktniveau. Das versicherungstechnische Ergebnis fiel mit -163,7 Mio. € erneut negativ aus.
Ausblick auf das Geschäftsjahr 2011
Im Vergleich zum außergewöhnlichen Wachstum im Vorjahreszeitraum entwickelte sich das Neugeschäft der öffentlichen Versicherer im ersten Quartal 2011 erwartungsgemäß deutlich rückläufig: Die Vertragszahl sank um 6,9 %, die Versicherungssumme um 3,7 % und der Neubeitrag um 54,0 %. „Wir erwarten, dass die laufenden Beitragseinnahmen auf dem aktuellen Niveau stabil bleiben“, sagte Dr. Harald Benzing, Vorsitzender des Versicherungsausschusses Leben. „Der Einmalbeitrags-Anteil wird sich auf einem moderaten Niveau einpendeln. Deshalb gehen wir für 2011 von einem einmaligen Rückgang der Beitragseinnahmen aus.“
Die Krankenversicherer der Gruppe erwarten weiteres Wachstum im Geschäft mit Zusatzversicherungen. Aufgrund des Wegfalls der Drei-Jahres-Grenze und der Anhebung der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung wird auch in der Vollversicherung Wachstumspotenzial gesehen.
In der Schaden- und Unfallversicherung rechnet Schubring-Giese damit, dass sich der leichte Umschwung, der sich in der Kraftfahrtversicherung andeutete, verfestigen könnte. „Auch in anderen Zweigen mit dauerhaft hohen Schaden-Kosten-Quoten darf sich gerne früher als später die versicherungstechnische Vernunft durchsetzen. Realistischerweise kommt es aber auf einem nach wie vor niedrigen Preisniveau zu einem vorwiegend inflationsgetriebenen Beitragsplus“, so der Verbandsvorsitzende. Das Jahr verlief bislang positiv für die Öffentlichen, auch weil Großschäden auf Bundesebene ausgeblieben sind.
(6.008/6.949 mit Leerzeichen)