Öffentliche Versicherer plädieren für KMU-Lösungen in der betrieblichen Altersvorsorge

29.06.2026

Berlin/Düsseldorf, 29. Juni 2026 - Die Alterssicherungskommission hat in sehr kurzer Zeit einstimmig 33 Empfehlungen zur Reform der Altersvorsorge vorgelegt. Mit den Vorschlägen zur schrittweisen Erhöhung der Regelaltersgrenze über 67 Jahre hinaus, der Abschaffung der „Rente mit 63“ für besonders langjährig Versicherte und dem Festhalten am Nachhaltigkeitsfaktor zur Berücksichtigung des demografischen Wandels hat die Rentenkommission wichtige Vorschläge zur notwendigen Stabilisierung der gesetzlichen Rente unterbreitet, die das unverzichtbare Vertrauen in das Altersvorsorgesystem insgesamt stärken. Die öffentlichen Versicherer begrüßen die Reformvorschläge, mahnen allerdings auch, dass die Einführung einer gesetzlichen Kapitalrente allein nicht ausreichen wird und faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Staat und privaten Anbietern gewährleistet werden müssen.

Ausdrücklich empfiehlt die Kommission als politisches Ziel für die Zukunft eine säulenübergreifende Nettoersatzquote (nach Steuern) von 70 % und eine Stärkung der Kapitaldeckung, um eine Lebensstandardsicherung zu ermöglichen. Dr. Andreas Jahn, Präsident des Verbands öffentlicher Versicherer (VöV): „Allein mit der Einführung der ‚gesetzlichen Kapitalrente‘ – also einer kapitalgedeckten Komponente – in der gesetzlichen Rentenversicherung wird dieses Ziel nicht zu erreichen sein. Daher ist zu begrüßen, dass die Digitale Rentenübersicht weiter zu einem Planungstool für die Bürgerinnen und Bürger ausgebaut werden soll. Dadurch werden Versorgungslücken transparent, die sich nur in der zweiten und dritten Säule mit der betrieblichen Altersvorsorge und der privaten Altersvorsorge schließen lassen.“

Mit der gesetzlichen „Kapitalrente“ würde der Staat nach dem jüngst beschlossenen staatlichen Standardprodukt in der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge erneut als Anbieter in die Sphäre der kapitalgedeckten Altersvorsorge vorstoßen. Diesen Paradigmenwechsel sehen die öffentlichen Versicherer nicht unkritisch, weil der Staat eine Doppelrolle als Regulator und Anbieter übernimmt. Faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Staat und privaten Anbietern sind notwendig, damit es nicht zu Verdrängungseffekten kommt.

Perspektivisch soll die gesetzliche Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung ausgebaut werden und auch Selbstständige, Beamte, Abgeordnete sowie Vorstände von Aktiengesellschaften einschließen. Kritisch sieht der Verband öffentlicher Versicherer, dass neue Selbstständige – anders als im Koalitionsvertrag vereinbart – nicht mehr in alternative Vorsorgeformen wie die bewährte Basisrente („Rürup-Rente“) wechseln können sollen.

Die Weiterentwicklung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) soll im Laufe des Jahres 2026 im Sozialpartnerdialog diskutiert werden und noch in diesem Jahr in Gesetzgebungsvorhaben münden. Insbesondere die Verbreitung der bAV in kleinen und mittleren Unternehmen sowie im Bereich der mittleren und niedrigeren Einkommen soll so gestärkt werden. VöV-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Wiest: „Mit den Zielen Erhöhung der Rechtssicherheit, Reduzierung von Bürokratie und Erhöhung der Portabilität für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat die Kommission die richtigen Schwerpunkte gesetzt. Die öffentlichen Versicherer haben Vorschläge zur Weiterentwicklung der Entgeltumwandlung in der betrieblichen Altersversorgung entwickelt, die sich genau an die bAV-Zielgruppen der Politik richten und werden diese aktiv in die weitere Diskussion einbringen.“

Im Verband öffentlicher Versicherer haben sich die regional tätigen, öffentlichen Versicherer Deutschlands überregional organisiert. Dem Verband gehören acht Erstversicherergruppen mit rund 40 Einzelunternehmen an. Gemeinsam erreichen die öffentlichen Versicherer mit rund 25 Milliarden Euro Prämienvolumen einen Marktanteil von rund 10 Prozent am deutschen Versicherungsmarkt und sind damit die zweitgrößte Versicherungsgruppe in Deutschland.

Ansprechpartner

Babette Sybertz
Pressesprecherin

T0211. 4554-239
Epresse@voevers.de

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Pressemitteilung (PDF)

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