beraterin erklärt einem paar etwas in den unterlagen

Am 23. November 2018 hat der Bundesrat der Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) zugestimmt. Sie stellt den letzten Schritt der Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) in Deutschland dar. Die IDD bringt einen erheblichen Regulierungsschub, vergleichbar mit der Umsetzung der Vorgängerrichtlinie IMD vor zehn Jahren.

In einem ersten Schritt war bereits im Februar 2018 das so genannte IDD-Umsetzungsgesetz in Deutschland in Kraft getreten. Dieses verpflichtet die Vermittler und Versicherer vor allem auf das Kundeninteresse. Das ist ein richtiger Ansatz und entspricht auch dem Anspruch der Sparkassen-Finanzgruppe. Beispielsweise wurden für kapitalmarktnahe Versicherungsanlageprodukte neue, ausführlichere Informations- und Beratungspflichten eingeführt. Durch eine umfassende Befragung des Kunden soll festgestellt werden, ob das Produkt für ihn geeignet ist. Darüber hinaus müssen Versicherungsunternehmen für alle neuen Produkte Zielmärkte festlegen, d.h. den Kreis der potenziellen Kunden definieren. Damit soll sichergestellt werden, dass die Eigenschaften des Produkts zu den Bedürfnissen, Merkmalen und Zielen der Kundengruppe passen. Zudem wurden zahlreiche Wohlverhaltensvorschriften eingeführt und ohne ausreichende Weiterbildung darf kein Vermittler mehr aktiv sein.

Herausforderungen frühzeitig erkannt
Diese Änderungen bedeuten auch für die öffentlichen Versicherer und ihre Vertriebspartner einige Herausforderungen. Da wir uns sehr frühzeitig mit der Thematik befasst haben, konnten Hürden rechtzeitig erkannt und angemessen darauf reagiert werden. So haben die öffentlichen Versicherer zum Beispiel Musterprozesse entwickelt, die unternehmensindividuell genutzt werden konnten, um Vertriebspartner effizient bei der Umsetzung zu unterstützen.

Eine Neuerung beschäftigt alle Vermittler allerdings besonders: die Pflicht zur Weiterbildung von 15 Stunden pro Jahr für jeden, der beratend und vermittelnd tätig ist. Die öffentlichen Versicherer begrüßen diese Weiterbildungspflicht. Denn es ist klar, dass eine umfassende Sachkenntnis nicht nur aus einer Erstqualifikation bestehen kann, sondern die regelmäßige Auffrischung und Erweiterung des Wissens einschließen muss. Dies ist in der Sparkassen-Finanzgruppe selbstverständlich und eine unserer Stärken. Unsere Mitarbeiter waren schon immer sehr gut qualifiziert und wurde auch vor der IDD-Umsetzung regelmäßig weitergebildet. Deshalb ist nicht die Weiterbildung an sich die Herausforderung, sondern die organisatorischen und bürokratischen Anforderungen, unter anderem die rechtssichere Dokumentation. Den öffentlichen Versicherern war es wichtig, dass die Detailregelungen, die erst in der im November 2018 verabschiedeten Versicherungsvermittlungsverordnung veröffentlicht wurden, pragmatisch gestaltet werden. Hier konnten weitgehend sachgerechte Lösungen für die Umsetzung gefunden werden.

Keine Klärung liefert die Versicherungsvermittlungsverordnung allerdings bei der Frage, wie mit Weiterbildungspflichtigen umgegangen werden soll, die ihre Tätigkeit unterjährig aufnehmen oder zum Beispiel aufgrund von längerer Krankheit oder Elternzeit in einem Jahr nicht oder nur teilweise vertrieblich tätig sind. Wir hoffen an dieser Stelle, dass angekündigte Auslegungshinweise der Industrie- und Handelskammern konkrete Antworten zur rechtssicheren Vorgehensweise liefern. Nur mit klaren Vorgaben kann ein qualitativ hochwertiger, flächendeckender Vertrieb von Versicherungen über die Filialen der Sparkassen erhalten bleiben, was nicht zuletzt dem Kunden zugutekommt.

Insgesamt ist die Sparkassen-Finanzgruppe durch diese Regulierung eher gestärkt worden, denn die IDD bestätigt den schon vorher geltenden eigenen Anspruch an die Qualität der Produkte, der Beratung und der Beratenden – dies gilt jedoch nicht für alle Wettbewerber.

Gerhard Müller

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