Gemeinsames Positionspapier des Verbands öffentlicher Versicherer, des Bundesverbands der deutschen Industrie, des Verbands der Automobilindustrie und der WirtschaftsVereinigung Metalle: Gewährleistung nachhaltigen Versicherungsschutzes für Industrie und Gewerbe

Executive Summary
Versicherungsschutz für Industrie und Gewerbe hat eine große Bedeutung für die Realwirtschaft. Neue Regelungen sollten dieses Geschäftsmodell auch weiterhin ermöglichen, sodass Versicherer (und Industrie-Versicherungs-Captives) weiterhin in vollem Umfang Versicherungslösungen anbieten können. Versicherer und Realwirtschaft weisen internationale, europäische sowie nationale Standardsetzter, Gesetzgeber und Aufseher deshalb auf folgende Aspekte hin:

  • Die Unternehmen der Real- und Versicherungswirtschaft begrüßen die Stärkung des Nachhaltigkeitsgedankens.
  • Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsfaktoren muss auch weiterhin volle Versicherungsdeckung für Unternehmen gewährleisten und sollte den Industriestandort Deutschland stärken, nicht schwächen. Jede zulässige Wirtschaftstätigkeit sollte weiterhin Zugang zu Versicherungsschutz bekommen und so für die nötige Transformation zum nachhaltigen Wirtschaften Unterstützung erhalten.
  • Bereits jetzt berücksichtigen Versicherer die relevanten Nachhaltigkeitsfaktoren im Rahmen eines vorausschauenden Risikomanagements. Die bestehenden Instrumente sind auch bestens für ESG-Risiken geeignet.
  • Die Bewertung und Bepreisung der Risiken (Underwriting) verläuft in einem zweistufigen Prozess mit einer Prämienberechnung auf Basis ökonomischer Risiken einerseits, sowie einer strategischen Betrachtung inklusive reputationsorientierter ESG-Abwägung, unter Berücksichtigung der individuellen Nachhaltigkeitsstrategie des Versicherers andererseits. Diese beiden Schritte unterliegen unterschiedlichen Beweggründen und sind strikt voneinander zu trennen.
  • Der Einsatz von sektoralen Heat Maps im Underwriting wäre zu wenig granular, statisch in Hinblick auf Transformationsprozesse und deutlicher ungenauer als die beschriebene Einzelfallprüfung. Ausschlusskriterien oder Limits in der Kapitalanlage auf Basis von Heat Maps sind ebenfalls zu unpräzise.
  • In der Kapitalanlage sollten nachhaltige Investitionen strikt nach deren Risiken beurteilt werden. Pauschale Eigenkapitalerleichterungen („Green Supporting Factor“) oder Aufschläge („Brown Penalizing Factor“) widersprechen dieser zentralen Maxime für Finanzstabilität.
  • Wo möglich sollte sich die Klimapolitik direkter Maßnahmen bedienen, auch wenn diese oft politisch unpopulär sind. Der Weg über die Lenkungswirkung der Finanzwirtschaft ist hingegen ein indirekter Ansatz. Er wirkt langsamer, nur mittel-bar, ist mit höherem Erfüllungsaufwand verbunden und stößt auch an Wirksamkeitsgrenzen.

Die ausführliche Stellungnahme mit allen Anmerkungen finden Sie hier  (PDF)

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