Der Verband öffentlicher Versicherer (VöV) begrüßt die Möglichkeit, zur Konsultation der EU-Kommission zum Vereinfachungspaket zum Wohnraum Stellung zu nehmen. Als zweitgrößte Gruppe im deutschen Erstversicherungsmarkt mit starker regionaler Verankerung und als Marktführer in der Wohngebäudeversicherung sind die öffentlichen Versicherer von den Rahmenbedingungen für Neubau, Sanierung und die langfristige Versicherbarkeit von Wohnraum unmittelbar betroffen. Der Verband unterstützt das Ziel, unnötige regulatorische und administrative Hürden abzubauen. Gleichzeitig müssen Vereinfachung, Prävention und Klimaresilienz zusammengedacht werden, damit kurzfristige Kostensenkungen nicht langfristig zu höheren Schäden und Versicherungskosten führen.
Der Verband sieht die europäischen Initiativen zum Wohnraum in engem Zusammenhang mit dem entstehenden integrierten europäischen Rahmen für Klimaresilienz. Maßnahmen zur Verbesserung der Bezahlbarkeit und Verfügbarkeit von Wohnraum sollten daher konsequent mit den Zielen der Klimaanpassung und der langfristigen Widerstandsfähigkeit des Gebäudebestands zusammengedacht werden. Dies gilt insbesondere für Planung, Standortwahl, bauliche Standards, Sanierung und Wiederaufbau. Weiterführende Positionen des Verbands zu Klimaresilienz, Prävention, Risikotransparenz und Versicherbarkeit finden sich in unserer ausführlichen Stellungnahme zur Konsultation der Europäischen Kommission zum europäischen Rahmen für Klimaresilienz.
Im Hinblick auf die spezifischen Fragen der Konsultation nehmen die öffentlichen Versicherer wie folgt Stellung und verweisen für weitere Aspekte auf die Rückmeldung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Der Verband öffentlicher Versicherer begrüßt das Ziel der Europäischen Kommission, unnötige regulatorische und administrative Hürden beim Bau und bei der Renovierung von Wohnraum abzubauen. Schnellere Genehmigungsverfahren, eine bessere Abstimmung zwischen Verwaltungsebenen und der Abbau von Doppelregulierung können dazu beitragen, Kosten zu senken und das Wohnraumangebot zu erhöhen. Vereinfachung sollte einem klaren Leitbild folgen: weniger Bürokratie und geringere Verfahrenskosten, ohne die für Sicherheit, Prävention und Klimaresilienz erforderliche Schutzwirkung zu beeinträchtigen. Kurzfristig niedrigere Bau- oder Sanierungskosten dürfen nicht zu langfristig höheren Schaden-, Instandsetzungs- und Versicherungskosten führen.
Klimaresilienz ist Teil der Bezahlbarkeit
Die Folgen des Klimawandels und zunehmende Naturgefahren wie Starkregen, Überschwemmungen, Sturm, Hagel oder Hitze wirken sich unmittelbar auf Gebäude und ihre Bewohner aus. Steigende Schadenhäufigkeiten und Schadenhöhen beeinflussen langfristig auch Risikobewertung, Versicherungskapazitäten und Prämien. Deshalb gilt aus unserer Sicht: Resilienz ist Bezahlbarkeit. Die Bezahlbarkeit von Wohnraum darf nicht ausschließlich anhand der anfänglichen Bau- oder Sanierungskosten beurteilt werden. Entscheidend sind die Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Präventionsmaßnahmen können zusätzliche Anfangsinvestitionen erfordern. Investitionen in eine risikobewusste Standortwahl, Starkregen- und Hochwasservorsorge, widerstandsfähige Bauweisen oder objektspezifische Schutzmaßnahmen können jedoch erhebliche spätere Schäden und Folgekosten vermeiden. Zugleich tragen sie dazu bei, Gebäude langfristig versicherbar zu halten und bezahlbaren Versicherungsschutz zu ermöglichen. Wo notwendige Präventionsmaßnahmen erhebliche zusätzliche Anfangsinvestitionen erfordern, sollten bestehende europäische und nationale Förder- und Finanzierungsinstrumente gezielt für resilienzsteigernde Maßnahmen nutzbar sein.
Prävention und Vereinfachung zusammendenken
Versicherung kann Restrisiken übernehmen, Prävention und Risikoreduktion aber nicht ersetzen. Eine nachhaltige Strategie für erschwinglichen Wohnraum muss deshalb bei der Risikoreduktion beginnen. Naturgefahreninformationen sollten frühzeitig in Planung, Standortwahl und Genehmigung einfließen. Neue Expositionen in besonders gefährdeten Gebieten sollten möglichst vermieden oder durch geeignete Schutzmaßnahmen begrenzt werden. Auch Sanierung und Wiederaufbau sollten genutzt werden, um die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden gegenüber künftigen Extremwetterereignissen zu verbessern. Dabei müssen Prävention und Vereinfachung kein Widerspruch sein. Digitale und gebündelte Genehmigungsverfahren sowie ein besserer Zugang zu verlässlichen Naturgefahrendaten können zugleich Verfahren beschleunigen und risikogerechte Entscheidungen erleichtern. Die öffentlichen Versicherer unterstützen daher eine kritische Überprüfung bestehender Bau- und Verwaltungsanforderungen. Unnötige Doppelregelungen, übermäßig detaillierte Vorgaben und Rechtsunsicherheiten sollten abgebaut werden. Risikorelevante Anforderungen, die nachweislich Schäden vermeiden oder reduzieren, sollten dagegen nicht pauschal als regulatorische Kostentreiber behandelt werden. Neue Vorgaben im Wohnungsbereich sollten zudem kohärent mit dem entstehenden integrierten europäischen Rahmen für Klimaresilienz ausgestaltet werden und Doppelanforderungen vermeiden.
Schlussfolgerungen
Die öffentlichen Versicherer unterstützen das Ziel, Wohnungsbau und Renovierung in Europa einfacher, schneller und kosteneffizienter zu machen. Erschwinglicher Wohnraum muss jedoch langfristig sicher, resilient und versicherbar bleiben.
- Prävention kann zusätzliche Anfangsinvestitionen erfordern. Sie ist jedoch Voraussetzung dafür, Wohnraum über seinen gesamten Lebenszyklus bezahlbar, widerstandsfähig und versicherbar zu halten.
- Versicherung ist Teil eines umfassenden Risikomanagements. Sie kann Restrisiken absichern, Prävention und Klimaanpassung jedoch nicht ersetzen.
Der Verband öffentlicher Versicherer freut sich auf weitere Gespräche über das Vereinfachungspaket zum Wohnraum und steht für Rückfragen jederzeit zur Verfügung.





