Die EU-Kommission hat im Rahmen ihrer „eSafety“-Initiative ein Kfz-Notrufsystem – den  sogenannten eCall – auf den Weg gebracht. Ab April 2018 müssen alle neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge mit einer eCall-Einheit  ausgestattet sein, die automatisch oder manuell ausgelöst werden kann. So verkürzt sich die Zeit zwischen einem Unfall und dem Ausrücken der Rettungskräfte erheblich, wodurch lebensrettende Maßnahmen früher eingeleitet und die Folgen schwerer Verletzungen verringert werden können. Die öffentlichen Versicherer treiben diese Entwicklung voran. 

Die öffentlichen Versicherer begrüßen die Einführung des eCall auf europäischer Ebene und die positiven Folgen für die Bevölkerung. Telematik und ganz konkret der eCall haben bei den Öffentlichen schon lange einen hohen Stellenwert. So waren wir bereits im Jahr 2011 Vorreiter in der deutschen Assekuranz und haben eine eigene eCall-Nachrüstlösung, den Copiloten, auf den Markt gebracht. Dabei handelt es sich um eine Telematik-Box, die lediglich auf die Fahrzeug-Batterie aufgeklebt und mit den Polen verbunden werden muss. Der Copilot setzt bei einem Unfall einen automatiscen Notruf ab und übermittelt alle für die Rettungskräfte wichtigen Daten an die Leitstelle, so dass schnellstmöglich Hilfe geleistet werden kann. Zudem kann er durch sein Ortungssystem auch nach einem Fahrzeugdiebstahl und im Falle eines Unfalls am geparkten Fahrzeug helfen.

Das System verfügt über einen Speicher, der die Bewegungsdaten des Fahrzeugs über eine Zeitspanne von etwa 60 Sekunden vor einem Unfall bis 15 Sekunden nach einem Unfall aufzeichnet. Bei einem Unfall sendet der Copilot diesen Datensatz – bestehend aus den wichtigen Angaben zu Unfallort und Zeitpunkt, Fahrtrichtung, Fahrzeugmodell und Aufprallstärke – an die Notrufleitstelle der Deutschen Assistance Service GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen der öffentlichen Versicherer. Diese leitet sofort die geeigneten Notfallmaßnahmen ein. Danach sind diese Daten nur noch für den Kunden selbst zugänglich. Der Versicherer hat zu keiner Zeit Zugriff auf die persönlichen Kundendaten – auch nicht im Schadenfall.

Zusätzlich gibt es seit April 2016 auch den Unfallmeldedienst des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dieser Unfallmeldedienst funktioniert über einen Unfallmeldestecker, der in den Zigarettenanzünder eingesteckt wird. Auch der Unfallmeldestecker setzt bei einem schweren Unfall automatisch einen Notruf ab und übermittelt die Position und Fahrtrichtung des Unfallautos an eine Rettungsleitstelle. Bei einem Unfall erkennen die Sensoren im Stecker eine Kollision und die Stärke des Aufpralls. Eine dazuge- hörige Smartphone-App übermittelt dann die Unfallmeldung und -daten an die Notrufzentrale der Autoversicherer, so dass sofort die nötigen Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden können. Ein Hilferuf kann aber auch manuell ausgelöst werden, zum Beispiel bei einer Panne.

Obwohl er bei einem Unfall über einen kurzen Zeitraum Bewegungsdaten aufzeichnet, hat der eCall als Kfz-Notrufsystem nichts mit den so genannten Pay-as-you-drive-Tarifen zu tun, bei denen sich die Prämie unter anderem anhand des aufgezeichneten Fahrverhaltens errechnet. Die öffentlichen Versicherer sind bei der Nutzung individueller Kundendaten sehr zurückhaltend, da viele Menschen dies skeptisch bewerten. Bei unseren Notrufsystemen sehen wir hingegen keine Probleme mit der Akzeptanz. Denn hier geht es nicht um die Sammlung und Speicherung individueller Kundendaten zur Tarifberechnung, sondern um konkrete, lebensrettende Hilfe. Da bis April 2018 alle neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge in der EU mit einen eCall-System ausgestattet sein müssen, eignen sich der Copilot der öffentlichen Versicherer wie auch der Unfallmeldestecker ideal für die Nachrüstung von Fahrzeugen, da sie leicht einzubauen und einfach in der Handhabung sind.

Dr. Klaus Zehner

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